Unbelehrbar ist nicht unbelehrbar: Wie ich plötzlich Nichtraucherin wurde

03.01.2017

 

Das neue Jahr hat begonnen, die ersten Verträge in den Fitnessstudios sind unterschrieben und genau so in den Schubladen verschwunden, wie die dazugehörige Motivation. 

Vielleicht zählst du auch zu denjenigen, die sich für das Jahr 2018 neue Ziele gesetzt haben. Mehr Sport, mehr lesen, weniger Fastfood oder: Aufhören zu Rauchen.

 

Wir schreiben heute den 03.01.2018 und ich bin rauchfrei seit einem Monat und 12 Tagen.

 

Wie es dazu kam? Beginnen wir von vorn.

Der harte Weg zur Raucherin

Rauchen war als Kind und Jugendliche nie ein Thema für mich. Während Freunde eine Mutprobe aus der ersten Zigarette machten, stand ich daneben und habe die letzten weißen Schalenreste meiner Mandarine gepult. 

Wenn mein Freundeskreis sich traf, um heimlich an der Bushaltestelle (Ja, ich war auch ein BuHa-Kid <3) die nächste Packung zu inhalieren, habe ich darauf geachtet, nicht in Windrichtung zu stehen.

 

Und während sich die anderen das große Geschrei ihrer Eltern anhörten, habe ich meinen Kaugummi gekaut, ohne dabei einen Raucherdunst loswerden zu müssen. 

 

Ja, man könnte sagen, dass ich wirklich langweilig war. 

 

Doch dann kam das Studium und damit der Untergang meiner Lunge. 

 

Rückblickend betrachtet, kann ich nicht mehr nachvollziehen, warum ich Zigaretten plötzlich unglaublich cool fand. Wahrscheinlich war es nicht das Rauchen selbst, sondern das Drehen der Zigarette. Wie lässig die Kommilitonen immer aussahen, wenn im linken Mundwinkel der Filter klebte, während sie mehr oder minder erfolgreich den Tabak in die Blättchen rollten.

Das wollte ich auch können! 

Gesagt, getan - Fingerfertigkeiten gehören bis heute zu meinen Stärken. 

 

Volltrunken wurde dann natürlich auch geraucht. 

Es war ein langer Weg zur Raucherin - aber ich habe ihn gewonnen. Hart musste ich dafür trainieren, dass mir die Zigaretten endlich schmeckten. Jeden Tag ein bisschen mehr. Bis ich sie liebte. 

 

Eine Schachtel Zigaretten am Tag gehörte von nun an zu meinem Alltag. Klingt viel? Fiel mir nicht  auf. Denn beim Drehen fällt weder das Geld sonderlich ins Gewicht, noch sieht man jeden Abend eine leere Schachtel vor sich liegen.

Die Rache meines Körpers

Ein paar Jahre, nein, sind wir ehrlich, 10 Jahre später rächte sich mein Körper. Mit einem wunderbaren Warnschuss. Wie ich im letzten Artikel erzählte, fiel mein rechtes Gleichgewichtsorgan aus und ich fuhr sechs Wochen Karussell. Du kannst jetzt noch die Kratzspuren meiner Fingernägel an den Wänden sehen - Momentaufnahmen einer völlig falschen Selbsteinschätzung, einen Gang zur Toilette allein bewältigen zu können.

Und vermutlich lag es an einer nicht ausreichenden Durchblutung meines Innenohrs, unter anderem ausgelöst durch (Trommelwirbel) die Zigaretten. 

 

Aufhören war angesagt.

 

Ich denke, ich hätte von einem Moment zum anderen aufhören können, brauchte aber einen konkreten Aufhänger, einen ganz präzisen Startpunkt und das letzte bisschen Motivation. 

 

All das sollte ich dann in Allen Carrs Buch „Endlich Nichtraucher“ finden. Ein paar Listen und Statistiken später, die meine verschrobene Art nun mal verlangt, wenn es Informationen und Gedanken zu ordnen gilt, drückte ich am 21.11.2017 um 17.41Uhr meine letzte Zigarette aus. (Erinnerst du dich an die Story auf Instagram?)

859 nicht gerauchte Zigaretten später.

Es war einfacher als gedacht. Kein Schmachter, keine Fressattacken. Das hat mir anfangs etwas Angst gemacht, zeigt doch aber, dass selbst unbelehrbare Menschen wie ich nicht unbelehrbar sind. 

 

Ich kann nicht behaupten, dass sich mein ganzes Leben geändert hat.  

Zwar kann ich tatsächlich besser riechen und schmecken, habe mehr Zeit und Geld, nehme aber bewusst Abstand von pathetischen Äußerungen. (Wie nervig sind bitte ehemalige RaucherInnen, die sich nun die Bekehrung der Nikontinabhängigen zur Lebensaufgabe gemacht haben?)

 

Dennoch - Es ist ein tolles Gefühl, diesem selbst auferlegten Zwang entkommen zu sein.

 


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